HITS Jahresbericht

Hier können Sie den Jahresbericht 2017 des HITS online lesen und herunterladen.

Vorwort:

Die Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik steht im Vordergrund, als Klaus Tschira und seine Stiftung die HITS gGmbH zum 1. Januar 2010 gründen. In das neue Forschungsinstitut gehen die vier Forschungsgruppen der EML Research gGmbH ein: Molecular Biomechanics (MBM), Molecular and Cellular Modeling (MCM), Natural Language Processing (NLP) und Scientific Databases and Visualization (SDBV). Doch das HITS soll nach dem Willen des Stifters größer und thematisch breiter aufgestellt sein als sein Vorgänger. Neben den bestehenden Gebieten sollen sich neue Forschungsgruppen mit Astrophysik, statistischen Methoden und Computerwissenschaften befassen. Die räumliche und technische Infrastruktur dafür steht zur Verfügung. Der Auftrag lautet, Methoden zu erarbeiten, die rechnergestützte Forschung ermöglichen – zum Beispiel mit Hilfe von Simulationen, Visualisierungen, Datenanalysen oder theoretischen Modellen.

Doch Forschung ist nur einer von mehreren Aufträgen an das HITS. Nach dem Willen seines Gründers ist das Institut auch ganz gezielt als Einrichtung der wissenschaftlichen Ausbildung angelegt. Deshalb kooperiert HITS eng mit den Universitäten Heidelberg und KIT Karlsruhe, die dem Institut beide auch als Minderheits-Gesellschafter verbunden sind. Viele Gruppenleiter am HITS sind zugleich Professoren an einer Universität und begleiten junge Menschen aus aller Welt auf dem Weg in eine wissenschaftliche Karriere. Aktuell arbeiten Wissenschaftler aus etwa 20 Nationen am Institut, darunter zahlreiche Gastwissenschaftler. Sie alle eint die Neugier der Forschenden und eine rechnergestützte Herangehensweise an komplexe Fragestellungen. Sie können hier forschen, um an einer der beiden Partneruniversitäten oder einer anderen Hochschule zu promovieren, sich zu habilitieren, Bachelor- und Masterarbeiten zu schreiben. HITS will für junge Menschen eine wichtige Station in ihrer wissenschaftlichen Karriere sein. Im Jahr 2017 waren insgesamt 29 Doktoranden am HITS tätig, 6 haben ihre Dissertation abgeschlossen und verteidigt. Im Jahr 2018 wird mit Rüdiger Pakmor aus der Gruppe Theoretical Astrophysics (TAP) der zweite HITS-Wissenschaftler seine Habilitation erfolgreich abschließen. Dies ist nur möglich durch die enge Zusammenarbeit mit den beiden genannten sowie weiteren Universitäten. Während Nachwuchswissenschaftler am HITS ausschließlich forschen, halten sie an den Universitäten Vorträge, Seminare und Kurse – ein wesentliches Element der persönlichen Qualifizierung.

Am HITS arbeiten viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das hat Vorteile, denn junge Leute haben nach Erkenntnissen der Psychologie das höchste Innovationspotenzial. In der Regel arbeiten Forscher heutzutage in Gruppen und aufgrund komplexer Aufgaben zunehmend in engem Austausch mit anderen Disziplinen. Das wird durch die Breite der vorhandenen Themen am HITS besonders gefördert. Wenn der Dialog mit der Nachbargruppe gesucht wird, dann spricht die Astrophysikerin mit dem Biologen, der Linguist mit der Mathematikerin. Wer ausbildet, spürt immer auch den Nachteil, dass die zur Verfügung stehende Zeit begrenzt ist und der personelle Wechsel häufig. Obwohl diese Veränderungen gewollt sind, müssen die in den Gruppen benötigten Kompetenzen gleichwohl erhalten bleiben. Deshalb kann jede Gruppe zusätzlich zum Gruppenleiter einen festangestellten Staff Scientist beschäftigen. Vielversprechenden Jungwissenschaftlern, denen es gelingt, nennenswerte Fördergelder einzuwerben, ermöglicht HITS einen weiteren Karriereschritt: Sie können hier eine eigene Gruppe aufbauen und damit den Grundstein für eine spätere Berufung auf eine Professur legen. Die jüngsten Kapitel dieser Erfolgsgeschichte schrieben zwei Astrophysiker: Christoph Pfrommer und Andreas Bauswein. Pfrommer, der einen ERC Consolidator Grant einwarb, startete seine eigene Gruppe High Energy Astrophysics and Cosmology (HAC) und nahm 2017 den Ruf auf eine Professur an der Universität Potsdam und eine damit verbundene Gruppenleiterstelle am dortigen Leibniz-Institut für Astrophysik an (siehe Kapitel 2.6). Andreas Bauswein, Mitarbeiter der Gruppe Physics of Stellar Objects (PSO), erhielt im Oktober 2017 für seine Arbeit zur Verschmelzung von Neutronensternen einen ERC Starting Grant (siehe Kapitel 9.5). Doch nicht nur Nachwuchswissenschaftler kommen und gehen. Auch ein langjähriger HITS Gruppenleiter wird einem Ruf folgen, der ihm 2017 erteilt wurde. Zum 1. August 2018 wird Volker Springel, Leiter der TAP-Gruppe seit 2010, das Institut verlassen und eine Direktorenstelle am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching annehmen. Und im Februar 2018 beendet die Juniorgruppe Computational Biology (CBI) nach fünf Jahren ihre Arbeit erfolgreich, mit zwei Publikationen und einem Titelbild im Fachjournal „Nature“.

Die Vision seines Gründers ist aufgegangen: HITS hat sich als einzigartiges Forschungsinstitut international einen Namen gemacht und sich zugleich als wissenschaftlicher Ausbildungsbetrieb gut aufgestellt. Die dafür jeweils nötige Zusammenarbeit funktioniert gut. Sie schafft für alle Partner Vorteile – ganz besonders für die vielen jungen Menschen, die dem HITS auf ihrem Karriereweg zeitweise angehören. Das war und ist ein wesentliches Ziel.

 

Dr. Gesa Schönberger, Geschäftsführerin

Prof. Dr. Michael Strube, Institutssprecher 2017-2018