ACM Symposium 2018: Michael Strube spricht über „die dunkle Seite von NLP“

11.09.2018
Prof. Dr. Michael Strube, Scientific Director HITS, 2017-18 (Foto: HITS/Keskin)

Vom 20.-21. September 2018 feiert die deutsche Sektion der internationalen Association for Computing Machinery (ACM) ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festsymposium in Heidelberg. Unter dem Motto „Mensch-Sein mit Algorithmen“ diskutieren Expertinnen und Experten aus aller Welt die digitale Transformation der modernen Gesellschaft – inklusive all ihrer Nebeneffekte. Die Vortragsthemen der Konferenz reichen von Künstlicher Intelligenz und autonomen Fahren über Big Data bis hin zu Blockchain und mehr.

Einer der Referenten ist HITS-Wissenschaftler und Institutssprecher Prof. Michael Strube. Am HITS leitet er die Forschungsgruppe Natural Language Processing (NLP) und erforscht mit seiner Gruppe unter anderem Sprachverarbeitung, Sprachverstehen und Diskursanalyse. Darüber hinaus befasst er sich auch intensiv mit den ethischen Aspekten der automatischen Sprachanalyse und hält diverse Seminare und Vorlesungen über die negativen Effekte der automatischen Sprachverarbeitung. Worum es ihm dabei besonders geht, erklärt in seinem Vortrag mit dem Titel „The Dark Side of NLP: Chancen und Risiken der automatischen Sprachverarbeitung“ beim ACM Symposium 2018 in Heidelberg.

Abstract zu seinem Vortrag:

Die Geschichte der automatischen Sprachverarbeitung beginnt als das Nischenfach Computerlinguistik. Nahezu unbemerkt von Wissenschaftlern und Öffentlichkeit hat sich das Fach zu einem Gebiet mit großer gesellschaftlicher Relevanz entwickelt. Jetzt sind computerlinguistische Produkte Teil unseres Lebens. Einerseits ermöglicht uns die automatische Sprachverarbeitung leichter zu kommunizieren und Informationen zu finden. Andererseits entstehen durch ihre Allgegenwärtigkeit auch Probleme. Ich werde die Anfänge der Computerlinguistik aus der militärischen Forschung heraus skizzieren. Dann werde ich die fast unendlichen Möglichkeiten diskutieren, im Zeitalter des Internets, der mobilen Kommunikation und sozialer Medien mit Hilfe der automatischen Sprachverarbeitung in unsere Privatsphäre einzudringen. Dazu tragen bei die Erkennung von Eigennamen und relevanter Entitäten, das Erkennen und Extrahieren von Persönlichkeitsmerkmalen aus sozialen Medien, die Geolokalisierung von privaten Nachrichten, das Erkennen psychologischer Störungen aus kurzen Texten, die Analyse von Macht, Einfluß und Hierarchie in der Kommunikation, das automatische Erkennen von Unsicherheit und Lügen, usw. Wir sollten uns darüber bewußt sein, daß Forschung im Bereich der automatischen Sprachverarbeitung maßgeblich ist für die Entstehung eines neuen militärisch-informationellen Komplexes, der unvorhergesehenes Potential hat, in unsere Privatsphäre einzudringen.

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Über das HITS

Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) wurde 2010 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940-2015) und der Klaus Tschira Stiftung als private, gemeinnützige Forschungseinrichtung ins Leben gerufen. Das HITS betreibt Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik. Dabei werden große, komplexe Datenmengen verarbeitet, strukturiert und analysiert und computergestützte Methoden und Software entwickelt. Die Forschungsfelder reichen von der Molekularbiologie bis zur Astrophysik. Die HITS Stiftung, eine Tochter der Klaus Tschira Stiftung, stellt die Grundfinanzierung der HITS gGmbH auf Dauer sicher. Die Mittel dafür erhält sie von der Klaus Tschira Stiftung. Gesellschafter des HITS sind neben der HITS Stiftung die Universität Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das HITS arbeitet außerdem mit weiteren Universitäten und Forschungsinstituten sowie mit industriellen Partnern zusammen. Die wichtigsten externen Mittelgeber sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Europäische Union.

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