Jahresbericht

Unser Jahresbericht 2020 – Vorwort

In jedem Jahresbericht berichtet die Institutsleitung über das vergangene Jahr. Anfang 2020 schrieben wir bezogen auf die Erfahrungen aus den Vorjahren einen überzeugten Text über Kommunikation im Institut, sowie über die Rolle, die die Umgebung des HITS und die kurzen Wege für den Zusammenhalt und die gemeinsame Forschung am HITS spielen.

Doch schon wenige Wochen später kam der erste Corona-Lockdown in Deutschland und damit eine besondere Herausforderung für uns alle. Und auch eine Herausforderung für die interne Kommunikation. Wir sind sehr konsequent mit den neuen Notwendigkeiten umgegangen. Dies konnten wir tun, weil nahezu alle Wissenschaftler/-innen ebenso wie das nicht-wissenschaftliche Personal gut von zuhause arbeiten konnten. Zugleich war es uns ein Anliegen, den HITS-Spirit zu wahren und möglichst transparent zu sein. Wichtig war es von Anfang an, die sich ständig ändernden und zu Beginn nur in deutscher Sprache zur Verfügung stehenden öffentlichen Informationen über Restriktionen und Wiedererlaubtes wöchentlich intern (und auf Englisch) zu kommunizieren. Die von der HITS-Kommunikation (siehe Kapitel 4) erstellten Rundmails zur Corona-Situation werden, wie wir hören, an Kolleg/-innen anderer Institutionen weitergereicht, weil sie so gut und nützlich sind.

Ab März wurden alle Veranstaltungen abgesagt und bald auf digitale Formate umgestellt. Diese digitalen Formate waren sogar besser besucht als die nicht-digitalen Formate vor der Corona-Zeit. Auch die online-Jahresendfeier war ein großer Erfolg. Wir haben das Gefühl, dass unsere sorgsame Kommunikation in den Jahren davor, ebenso wie die Kommunikation während der Krise, geholfen haben, den HITS-Team-Spirit auf hohem Niveau zu halten. Dies gilt trotz der Probleme, die die meisten von uns mit dieser Situation hatten und haben. Am wichtigsten hierfür sind aber immer noch die HITSter selbst, ihr Interesse, ihre Motivation, ihr Vertrauen und ihr guter Wille. HITS ist ein besonderer Arbeitsplatz, auch im „Homeoffice.“

Diese positive Einstellung schlug sich auch in der Forschung nieder: Einige HITS-Gruppen haben sich an Corona-motivierten Forschungsarbeiten beteiligt (siehe Kapitel 2.3, 2.4, 2.8 und 2.11), andere haben die Zeit genutzt, um viel zu publizieren. Darüber hinaus gab es zahlreiche Drittmittel-Bewilligungen, unter anderem über sage und schreibe drei ERC Grants für die HITS-Gruppenleiterinnen Frauke Gräter (MBM) und Saskia Hekker (TOS) sowie für den bisher als Gastwissenschaftler am HITS tätigen Fabian Schneider, der die Mittel aus seinem ERC Starting Grant dafür verwendet, am HITS ab 2021 seine eigene Juniorgruppe „Stellar Evolution Theory“ (SET) aufzubauen. 

Die Anerkennung unabhängiger Gutachter/-innen für die Leistungen der HITS-Forscher in ihren Spezialgebieten sehen wir mit großer Freude – und arbeiten zugleich weiter an der Fortentwicklung des HITS. Ein wesentliches Merkmal des Instituts ist seine Interdisziplinarität. Schon bei der Gründung waren drei Richtungen erkennbar: Wir haben Gruppen, die Methoden in den Lebenswissenschaften entwickeln und anwenden. Wir haben Gruppen, die Astronomie beobachtend und simulierend betreiben, und wir haben Gruppen, die methodenzentriert, gebietsübergreifend arbeiten.

Innerhalb der einzelnen Gebiete ist das Zusammenarbeiten vergleichsweise einfach. Forscher/-innen aus den Lebenswissenschaften zum Beispiel haben eine gemeinsame Sprache, doch die Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinweg bleibt eine Herausforderung. Dieser will sich HITS in Zukunft noch intensiver stellen, ein Werkzeug hierzu heißt „HITS Lab“.

Das HITS Lab ist ein internes Förderprogramm für Projekte, in denen sich mindestens zwei Gruppen aus unterschiedlichen Disziplinen am HITS zusammenfinden, um ein gemeinsames Thema zu bearbeiten. Die beteiligten Gruppen haben die Möglichkeit, dafür Mitarbeiter/-innen einzustellen, die wiederum von zwei Gruppenleiter/-innen gemeinsam betreut werden.

Gegen Ende des Jahres 2019 lief das erste Projekt an, das aus den ersten Überlegungen zum Thema HITS Lab entstanden war: „Does the quality of writing influence scientific impact?“ fragten Frauke Gräter (MBM) und Michael Strube (NLP) gemeinsam mit Vera Nünning (Anglistisches Seminar der Universität Heidelberg) im Rahmen eines Projektes am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg. Etwa zeitgleich haben Michael Strube (NLP), Wolfgang Müller (SDBV) und Mitarbeiter/-innen das Projekt „DeepCurate“ beim BMBF eingeworben (siehe Kapitel 2.9 und 2.11). Die wissenschaftliche Idee kam auch hier aus der HITS Lab-Initiative.

Im Jahr 2020 haben zwei weitere HITS Lab-Projekte begonnen: Zum einen das Projekt „Emulators“, eine Zusammenarbeit von Frauke Gräter (MBM), Fritz Röpke (PSO) und Tilmann Gneiting (CST). Hier geht es darum, durch geschickten Einsatz von Techniken des maschinellen Lernens als sogenannte Emulatoren, Teilresultate zu schätzen und so den Rechenaufwand zu reduzieren (siehe Kapitel 2.4 und 5.1.1). Und zum anderen das Projekt „Geometry and Representation Learning“ – hier arbeiten Anna Wienhard (GRG) und Michael Strube (NLP) mit ihren Gruppen an nicht-euklidischen Geometrien für Lernaufgaben in der natürlichsprachlichen Datenverarbeitung (siehe Kapitel 2.6).

Trotz Pandemie und Kontakteinschränkungen jeglicher Couleur gibt es aus dem HITS für 2020 viel zu berichten, und man sieht jetzt schon, dass die nächsten Jahre bunt werden. Wir erwarten viele interessante Projekte und Resultate, in denen wir die Vielgestaltigkeit des HITS nutzen und neue Ideen entwickeln. Wie Sie auch sehen können, ist die ab 2021 amtierende Institutssprecherin Frauke Gräter sehr stark engagiert – nicht nur in der Leitung des HITS, sondern auch bei den HITS Lab-Projekten. Wir freuen uns darauf.

Dr. Gesa Schönberger, Geschäftsführerin

PD Dr. Wolfgang Müller, Institutssprecher 2019 & 2020

Hier gibt es den HITS Jahresbericht 2020 als PDF:

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