Portrait Michele Catanzaro

1.12.2014

In seinem Dachgeschossbüro stapeln sich Papierstöße: wissenschaftliche Artikel, Zeitungsausschnitte, Bücher und Notizzettel. Michele Catanzaro ist sehr beschäftigt, wirkt aber zugleich sehr entspannt. „Ich genieße es, wieder in die Wissenschaft einzutauchen“, sagt der gebürtige Römer lächelnd. „Seit meiner Dissertation hatte ich nicht mehr die Gelegenheit, Dinge so gründlich zu studieren.“

Der in Barcelona lebende freie Wissenschaftsjournalist ist aktuell „Journalist in Residence“ am HITS. Journalisten aus 22 Ländern bewarben sich für das Stipendium, das erstmals international ausgeschrieben wurde. Die Jury wählte Michele Catanzaro aufgrund seiner Fähigkeiten und Erfahrungen aus. Er studierte Physik in Rom und promovierte anschließend an der Technischen Universität in Barcelona. Seit 2000 arbeitet er als freier Wissenschaftsjournalist für Medien in Italien, Spanien, Mexiko und Großbritannien, unter anderem für „Nature“, „The Guardian“ und „El Periodico“. Seine Themenschwerpunkte liegen dabei im Bereich Wissenschaft, Wissenschaftspolitik und aktuelle Nachrichten. Für seine Arbeit erhielt er mehrere Preise, unter anderem den „King of Spain International Journalism Prize.“

Seine Motivation für die Bewerbung war vielfältig: „Neben der Möglichkeit, ohne den Druck des Tagesgeschäfts arbeiten zu können, begriff ich es als Chance, zurück zu meinen Wurzeln zu kommen, denn mein wissenschaftlicher Hintergrund liegt in der theoretischen Physik.“ Darüber hinaus war er neugierig auf Deutschland, und nicht zuletzt gab es auch einen privaten Grund: Seine Partnerin konnte ihn begleiten, mit ihrem gemeinsamen neugeborenen Kind. „Als ich von dem Programm hörte, empfand ich es als das Beste zu diesem Zeitpunkt meiner beruflichen und privaten Entwicklung.“

Im August 2014 kam Michele Catanzaro am HITS an. Seitdem reiste er zu Konferenzen in Hannover, Berlin und Magdeburg, diskutierte in einem internen Seminar mit den „HITS-Köpfen“ über Wissenschaftskommunikation und hielt einen öffentlichen Vortrag mit dem Titel „Mehr Journalismus im Wissenschaftsjournalismus.“ Außerdem lernt er inzwischen Deutsch, als seine fünfte Sprache. Er genießt die Umgebung: „Die Gebäude und der Garten sind sehr schön, die Rahmenbedingungen zum Arbeiten sind hervorragend.“ Hier nimmt er die Gelegenheit wahr, sein Wissen über datengetriebene Wissenschaft zu vertiefen – in anregenden Gesprächen mit vielen Forschern. „Eine echte Entdeckung für mich war das Gebiet der Wahrscheinlichkeitsvorhersage“, sagt Catanzaro. „Mir ist klar geworden, dass ich diesen Bereich genauer beobachten werde.“ Der interdisziplinäre Ansatz gefällt ihm. „Es ist mehr als nur Big Data“, erläutert er. „Daten und Algorithmen verändern die Spielregeln unserer Gesellschaft.“ Er listet eine Reihe von Themen auf: „Alle Probleme rund um das Thema Privatsphäre, aber auch die Möglichkeiten, die Daten und Algorithmen bieten, von personalisierter Medizin bis zu interaktiven Regierungsformen. Ich konzentriere mich als Wissenschaftsjournalist auf Bedeutung der Wissenschaft für unsere Gesellschaft.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen nimmt Michele Catanzaro ein Notizblatt von einem Papierstapel – er macht sich wieder an die Arbeit.

Über das HITS

Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) wurde 2010 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940-2015) und der Klaus Tschira Stiftung als private, gemeinnützige Forschungseinrichtung ins Leben gerufen. Das HITS betreibt Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik. Dabei werden große, komplexe Datenmengen verarbeitet, strukturiert und analysiert und computergestützte Methoden und Software entwickelt. Die Forschungsfelder reichen von der Molekularbiologie bis zur Astrophysik. Die HITS Stiftung, eine Tochter der Klaus Tschira Stiftung, stellt die Grundfinanzierung der HITS gGmbH auf Dauer sicher. Die Mittel dafür erhält sie von der Klaus Tschira Stiftung. Gesellschafter des HITS sind neben der HITS Stiftung die Universität Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das HITS arbeitet außerdem mit weiteren Universitäten und Forschungsinstituten sowie mit industriellen Partnern zusammen. Die wichtigsten externen Mittelgeber sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Europäische Union.

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