Zwischen Brasilien und Deutschland

21.11.2019

In unserem Interview mit HITSter Ariane Nunes-Alves erzählt diese von ihren Erfahrungen als Wissenschaftlerin in Brasilien und Deutschland.

Du wurdest in São Paulo in Brasilien geboren und hast dort auch studiert. Für deinen PostDoc bist du dann nach Deutschland gekommen. Was wusstest du vorher über Deutschland?

Der Reiz nach Deutschland zu kommen lag darin, dass ich tatsächlich nicht so viel über das Land wusste. Durch die Filmindustrie usw. haben Menschen in Brasilien meistens einen größeren Bezug zu den USA. Ich war auch schon mal dort, aber eben nie in Deutschland. Das einzige, was ich vorher bereits kannte, war das berühmte Oktoberfest und natürlich habe ich in der Schule viel über den ersten und zweiten Weltkrieg gelernt. Darüber hinaus hatte ich überhaupt keine Ahnung, wie das Leben hier so ist.

Was war dein erster Eindruck als du in Deutschland angekommen bist?

Meine erste Reise nach Deutschland war im Oktober 2017 als ich mein Bewerbungsgespräch hatte. Ich fand die Stadt (Heidelberg) einfach entzückend! Es ist wirklich schön, so viele ältere Gebäude zu sehen, besonders da wir nicht so viele davon in Brasilien haben.

Jetzt bist du schon eine ganze Weile in Deutschland. Was sind die größten Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland?

Oh, das Wetter! Es ist so kalt hier! Für mich gibt es in Deutschland nur drei Monate Sommer und neun Monate Winter. Und natürlich ist die Kultur anders. Ich würde sagen, dass Brasilianer viel offener sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich für Deutsche zu redselig bin (lacht).

Gibt es trotzdem etwas, das Brasilianer und Deutsche gemeinsam haben?

Beide mögen Bier…aber deutsches Bier ist so viel besser! Deutsche feiern außerdem sehr gerne, was man ja während des Oktoberfests oder an Silvester gut sehen kann. Wenn hier gefeiert wird, fühle ich mich schon ein bisschen so als wäre ich wieder in Brasilien.

Und wie sieht es in der Wissenschaft aus? Welche Unterschiede gibt es zwischen Brasilien und Deutschland?

Ich habe in Brasilien studiert, aber während meines Studiums auch einige Zeit in den USA verbracht. Ich denke, der größte kulturelle Unterschied ist, dass Menschen in Deutschland eine sehr gute Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben haben. Übertriebene Überstunden werden nicht angeregt. Stattdessen erledigen die Leute alles während ihrer regulären Arbeitszeit und genießen danach ihre Freizeit. Das ist wirklich super! Besonders am HITS ist sehr angenehm zu arbeiten, weil das Institut verhältnismäßig überschaubar ist und es sich wie eine große Familie anfühlt, wo der eine auf den anderen Acht gibt.

In deinem Artikel schreibst du über deine Erfahrungen während deines Studiums und erklärst, wie du deinen Karriereweg gestaltet hast. Am Ende warst du damit sehr erfolgreich! Wenn du trotzdem etwas anders machen könntest, was wäre das?

Als ich meinen Doktor gemacht habe, war es mir sehr unangenehm mit Menschen zu sprechen. Ich hatte immer Angst, dass ich sie irgendwie störe. Wenn ich so zurückschaue, hätte ich aber mit viel mehr Leuten reden und vielleicht sogar meinen Doktor in einem anderen Land machen sollen.

Du bist trotzdem an deinem Ziel angekommen. Wie geht es dir am HITS?

 Ich bin im Paradis! Ich liebe mein Leben hier und bin so glücklich über eine so tolle Arbeitsgruppe. Meine Gruppenleiterin Rebecca Wade ist eine großartige Mentorin. Ich arbeite hier mit sehr klugen Menschen zusammen und kann super interessante Gespräche über Wissenschaft führen. Manchmal passiert es, dass Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler sehr erfolgreich werden und sich dann nicht mehr für andere Menschen interessieren. Rebecca Wade ist da wirklich ganz anders, sie kümmert sich sehr um ihre Gruppenmitglieder, weshalb ich sehr gerne hier arbeite.

Dr. Ariane Nunes-Alves ist seit Januar 2018 Mitglied in der Molecular and Cellular Modeling (MCM) am HITS. Sie ist in São Paulo (Brasilien) aufgewachsen und hat für das Journal of Chemical Information and Modeling (JCIM) ihre Erfahrungen als brasilianische Wissenschaftlerin in Deutschland aufgeschrieben. Der Artikel „From Brazil to Germany: Challenges and Advantages“ ist online verfügbar: https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.jcim.9b00764

Über das HITS

Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) wurde 2010 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940-2015) und der Klaus Tschira Stiftung als private, gemeinnützige Forschungseinrichtung ins Leben gerufen. Das HITS betreibt Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik. Dabei werden große, komplexe Datenmengen verarbeitet, strukturiert und analysiert und computergestützte Methoden und Software entwickelt. Die Forschungsfelder reichen von der Molekularbiologie bis zur Astrophysik. Die HITS Stiftung, eine Tochter der Klaus Tschira Stiftung, stellt die Grundfinanzierung der HITS gGmbH auf Dauer sicher. Die Mittel dafür erhält sie von der Klaus Tschira Stiftung. Gesellschafter des HITS sind neben der HITS Stiftung die Universität Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das HITS arbeitet außerdem mit weiteren Universitäten und Forschungsinstituten sowie mit industriellen Partnern zusammen. Die wichtigsten externen Mittelgeber sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Europäische Union.

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