Forschende des KIT und HITS entwickeln ein transparentes Verfahren, das die Unsicherheit wirtschaftlicher Prognosen sichtbar macht.
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft interessieren sich dafür, wie sich zentrale Wirtschaftsindikatoren entwickeln. Prognosen zu Wachstum und Inflation sind leicht verfügbar, doch die Unsicherheit dahinter bleibt oft unklar. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zeigt gemeinsam mit dem Heidelberg Institute for Theoretical Studies (HITS), wie sich diese Unsicherheit unkompliziert messen lässt.
Einfaches Verfahren statt komplexer Modelle

Die Forschenden haben eine Methode entwickelt, die Prognoseintervalle für Wachstum und Inflation der führenden Industrienationen erstellt. Damit können sie Aussagen wie „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent wird die Inflation in Deutschland im Jahr 2026 zwischen 0,5 Prozent und 3 Prozent liegen“ treffen. Grundlage sind Punktprognosen des Internationalen Währungsfonds und eine Analyse früherer Prognosefehler.
„Das Verfahren ist transparent und leicht anzuwenden“, sagt Friederike Becker, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Statistik des KIT. Melanie Schienle, Professorin am KIT und Senior Researcher am HITS, ergänzt: „Wir nutzen die Expertise des Internationalen Währungsfonds und erzielen Ergebnisse, die mit komplexen statistischen Modellen vergleichbar sind.“
Die Methode eignet sich für alle Arten von Punktprognosen, sofern Daten zu früheren Fehlern vorliegen. Sie ist interpretierbar, transparent und auch ohne statistisches Fachwissen nutzbar. Aktuelle Prognoseintervalle werden auf einer öffentlich zugänglichen Website bereitgestellt.
Publikation:
Friederike Becker, Fabian Krüger, Melanie Schienle. Simple Macroeconomic Forecast Distributions for the G7 Economies. Ann. Appl. Stat. 19(4): 2878-2897.
https://doi.org/10.1214/25-AOAS2095
Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Melanie Schienle
Chair of Statistics and Econometrics, Institute of Statistics, KIT
melanie schienle@kit edu
Medienkontakt:
Angela Michel
Head of Communications
Heidelberg Institute for Theoretical Studies (HITS)
E-Mail: angela.michel@h-its.org
www.h-its.org
Dr. Joachim Hoffmann
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
E-Mail: joachim.hoffmann@kit.edu
www.kit.edu
Das HITS (Heidelberger Institut für Theoretische Studien) wurde 2010 von dem Physiker und SAP-Mitbegründer Klaus Tschira (1940-2015) und der Klaus Tschira Stiftung als privates, gemeinnütziges Forschungsinstitut gegründet. Es betreibt Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik. Zu den Hauptforschungsrichtungen zählen komplexe Simulationen auf verschiedenen Skalen, Datenwissenschaft und -analyse sowie die Entwicklung rechnergestützter Tools für die Forschung. Die Anwendungsfelder reichen von der Molekularbiologie bis zur Astrophysik. Ein wesentliches Merkmal des Instituts ist die Interdisziplinarität, die in zahlreichen gruppen- und disziplinübergreifenden Projekten umgesetzt wird. Die Grundfinanzierung des HITS wird von der Klaus Tschira Stiftung bereitgestellt.
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