Europäische Forschung: Wie Biodiversität im „Hotspot“ Kreta neu berechnet wird

10.11.2022

Der Bioinformatiker Alexandros Stamatakis (HITS Heidelberg und KIT Karlsruhe) erhält von der Europäischen Kommission Mittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro für einen sogenannten ERA Chair (European Research Area). Damit wird er die computergestützte Biodiversitätsforschung am Institut für Informatik der Foundation for Research & Technology – Hellas (ICS-FORTH) auf Kreta, Griechenland, aufbauen und dabei eng mit den lokalen Institutionen der Insel zusammenarbeiten.

Ein Strand im „Asterousia Mountain Range Biosphere“-Reservat an der kretischen Küste (Foto: Stamatakis)

Die griechische Insel Kreta ist nicht nur ein Sehnsuchtsort für Sonnenhungrige, sondern wegen ihrer hohen Artenvielfalt und der großen Zahl endemischer Arten auch ein „Hotspot“ der Biodiversität. Die Überwachung, Auswertung und Quantifizierung der biologischen Vielfalt sind deshalb von großer Bedeutung, und die Bioinformatik spielt dabei eine Schlüsselrolle. Um die Biodiversitätsforschung in Griechenland zu stärken und gleichzeitig die Abwanderung von griechischen Forschenden umzukehren, wird Alexandros Stamatakis, Gruppenleiter am Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) und Professor für Hochleistungsrechnen in den Lebenswissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), auf Kreta eine neue Forschungsgruppe am Institute of Computer Science der Foundation for Research & Technology – Hellas (ICS-FORTH) aufbauen. Dafür erhält er von der Europäischen Kommission Mittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro für die Dauer von fünf Jahren, einen sogenannten ERA Chair (European Research Area).

Neue Forschungsgruppe soll junge Talente anziehen

Die neue „Biodiversity Computing Group“ wird Anfang 2023 ihre Arbeit aufnehmen und eng mit den lokalen Biodiversitätsforschungszentren Hellenic Center for Marine Research (HCMR) und dem Naturhistorischen Museum von Kreta (NHMC) zusammenarbeiten. Auch die von Stamatakis geleitete Forschungsgruppe Computational Molecular Evolution am HITS und die Informatik-Fakultät des KIT sind in die Forschung eingebunden. Ziel ist die Entwicklung neuartiger und energieeffizienter Werkzeuge, Algorithmen und Modelle zur Bewertung der Biodiversität in einem europäischen Biodiversitäts-Hotspot und darüber hinaus. Im Rahmen des Projekts werden mehrere Postdocs und Doktorand*innen finanziert, die sich mit allen methodenbezogenen Aspekten des Biodiversitäts-Computings befassen. Dabei werden Themen wie Virusevolution, Hochleistungsrechnen und Unsicherheitsbewertung zur Analyse von Biodiversitätsdaten behandelt. Alexandros Stamatakis wird für die Dauer des Projekts dauerhaft nach Kreta ziehen. 

Internationale Kooperation für herausragende Forschung und Lehre

„Der ERA Chair für unseren Gruppenleiter Alexandros Stamatakis ist ein weiterer Beleg seiner herausragenden Stellung an der Schnittstelle zwischen Biologie, und Informatik “, so Frauke Gräter, wissenschaftliche Direktorin des HITS. „Er zählt seit Jahren zu den weltweit am häufigsten zitierten Forschenden, und die von ihm und seiner Gruppe entwickelte Software zur Stammbaumberechnung wird weltweit eingesetzt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den griechischen Partnern.“

„Um unsere Umwelt zu schützen, ist eine internationale Zusammenarbeit unbedingt notwendig – auch und gerade beim Thema Biodiversität. Denn globale Lösungen finden wir nur, wenn wir über die Landesgrenzen hinaus forschen“, sagt Professor Oliver Kraft, Vizepräsident für Forschung des KIT. „Die Förderung von Alexandros Stamatakis durch den ERA Chair würdigt seine exzellenten Leistungen in der Forschung. Mit seiner Kompetenz stärkt er nicht nur die Biodiversitätsforschung in Griechenland, sondern auch die internationale Vernetzung mit Einrichtungen wie dem KIT und dem HITS.“

„Es ist schön, nach Kreta zurückzukehren, wo ich vor 16 Jahren bei FORTH meinen ersten Postdoc gemacht habe“, so Alexandros Stamatakis. „Besonders freue ich mich auf die interdisziplinäre Forschung mit den exzellenten Instituten an der FORTH, aber auch mit dem NHMC und dem HCMR. Ich bin auch dem KIT und dem HITS dankbar, die dieses Vorhaben unterstützen. Meine Gruppe Computational Molecular Evolution bleibt am HITS bestehen und wird weiterhin von mir geleitet. Dies alles trägt dazu bei, die Abwanderung von Fachkräften zu verhindern und die institutionellen Verbindungen zu vertiefen“.

Alexandros Stamatakis´ Beziehungen zu kretischen Forschungseinrichtungen blieben auch nach seinem Postdoc-Aufenthalt bestehen. Er organisiert seit über zehn Jahren regelmäßig alle zwei Jahre eine „Summer School“ zur rechnergestützten Evolutionsforschung am HCMR auf Kreta, die von EMBO (European Molecular Biology Organization) und dem HITS finanziert wird.

ERA Chairs

Die Europäische Kommission fördert mit der Einrichtung von European Research Area (ERA) Chairs die Weiterentwicklung von Instituten und den Ausbau der Forschungskapazität. ERA Chairs unterstützen Universitäten oder Forschungseinrichtungen aus den förderfähigen Ländern dabei, hochqualifizierte Persönlichkeiten anzuziehen und zu halten und unterstützen exzellente Wissenschaftler*innen und ihre Teams.
Das geförderte Projekt steht zudem im Einklang mit der Diversitätsstrategie 2030 der Europäischen Kommission „Bringing nature back into our lives.“

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Alexandros Stamatakis https://www.h-its.org/de/people/prof-dr-alexandros-stamatakis/

Medienkontakt:
Dr. Peter Saueressig (HITS)
https://www.h-its.org/de/people/dr-peter-saueressig/

Sandra Wiebe (KIT)
https://www.sek.kit.edu/presse_team_wiebe.php 

Über das HITS

Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) wurde 2010 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940-2015) und der Klaus Tschira Stiftung als private, gemeinnützige Forschungseinrichtung ins Leben gerufen. Das HITS betreibt Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik. Dabei werden große, komplexe Datenmengen verarbeitet, strukturiert und analysiert und computergestützte Methoden und Software entwickelt. Die Forschungsfelder reichen von der Molekularbiologie bis zur Astrophysik. Die HITS Stiftung, eine Tochter der Klaus Tschira Stiftung, stellt die Grundfinanzierung der HITS gGmbH auf Dauer sicher. Die Mittel dafür erhält sie von der Klaus Tschira Stiftung. Gesellschafter des HITS sind neben der HITS Stiftung die Universität Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das HITS arbeitet außerdem mit weiteren Universitäten und Forschungsinstituten sowie mit industriellen Partnern zusammen. Die wichtigsten externen Mittelgeber sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Europäische Union.

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